Die Vergangenheit

der katholischen Kirche

 

 

 

 

Hexenfolter durch Christen

 

Inhalt:

Die Christliche Kirche und das Hexentum

Die Inquisition Kreuzzüge

Ermordung von Juden

Ermordung von "Heiden"

Eroberung Amerikas

Sklavenhandel

Hexenverfolgung

Massenmord in Kroatien

Völkermord in Ruanda

 

Das blutige Erbe der Bibel
Es ist kein Wunder, dass eine Kirche, die in der Bibel ihr Grundgesetz sieht, in der Vergangenheit zur größten Verbrecherorganisation der Geschichte wurde und Millionen Tote auf dem Gewissen hat. Alles war in ihrer Bibel, zu der sie sich bis heute einschränkungslos bekennt als gottgewollt vorgezeichnet:  blutige Kreuzzüge, Massenmord an Andersgläubigen, Hexenverbrennungen, grausamste Foltermethoden und die Versklavung bzw. Ausrottung ganzer Volksstämme. Vielfach berief man sich  dabei ausdrücklich auf die Bibel - so schon der "heilige" Ambrosius, der die Vernichtung der Goten forderte, weil sie dem arianischen Glauben anhingen, und sie mit dem biblischen Volk Gog  verglich,  das  Jahwe den Raubvögeln zum Fraß gibt; oder  der "heilige" Augustinus, der unter Berufung auf die Bibel zur Gewalt gegen die Manichäer aufrief und die Zerstörung fremder Kultstätten forderte; oder Martin Luther, der unterständiger Berufung auf die Bibel, vor allem auf Mose, dazu aufrief, jüdische Synagogen in Brand zu setzen und Bauern zu ermorden. Die biblische Kriegsmystik erfaßte auch Bischöfe des 20.  Jahrhunderts: so feierte der katholische Alttestamentler Kardinal Faulhaber im 1.Weltkrieg den deutschen Frankreichfeldzug als "Triumph der sittlichen Weltordnung gegenüber einer gottesfeindlichen Staatsidee", während der evangelische Landesbischof Hans Meiser im 2. Weltkrieg Gott pries, weil  "unsere Heere auf den Schlachtfeldern Flanderns einen Sieg  errungen haben, wie er ähnlich in der Geschichte der Völker nicht gefunden wird." Das ganze Ausmaß der auf die Bibel gestützten Verbrechensgeschichte der Kirche wurde jüngst in einer Dokumentation der Initiative Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kircheusammengestellt, die wir nachfolgend auszugsweise wiedergeben:
 

Die Inquisition
Als trotz beständiger Verfolgungen Andersgläubiger die Bewegungen der Katharer und Waldenser vor allem in Südfrankreich, aber auch in Italien und Deutschland immer mehr Zulauf  erhielten, organisierte die Kirche im ausgehenden 12. Jahrhundert  die bürokratisierte und totalitäre Gehirnwäsche in Form der Inquisition.  Die Inquisition (lat."Befragung") war nach Aussage des Spiegel (1.6.98) "Vorläufer von Gestapo, KGB und Stasi."  Sie forderte in Europa zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert mindestens eine Million, nach anderen Schätzungen zehn Millionen Menschenleben (Der Spiegel, 1.6.98). Auf einen verbrannten "Ketzer" (von griech. katharoi, die Reinen) kam etwa  die  zehnfache Zahl an Menschen, die zu langjährigen Kerkerstrafen oder zu wiederholten schweren Demütigungen verurteilt wurden:  Tragen von Brandmalen oder Abzeichen, regelmäßige Geißelungen oder beschwerliche Wallfahrten. Wer einmal in die Mühlen der Inquisition geriet, hatte keine Chance. Er wurde durch eine oft langjährige Haft in finsteren Verließen gefügig gemacht, durch Folter gequält und zu einem "Geständnis" gezwungen. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt und fiel zum großen Teil an die Kirche; seine Angehörigen standen meistmittellos auf der Straße, niemand  traute sich, ihnen zu helfen. Die Inquisition begann mit dem "Ketzerkreuzzug" (1209-1229) gegen die Katharer in Südfrankreich. Diese  wurden in den folgenden  Jahrzehnten  vollständig ausgerottet.
 

Kreuzzüge
Zwischen  1096  und  1291 fanden  auf  Betreiben  der Päpste  sieben Kreuzzüge ins "Heilige  Land"  Palästina statt, die nach Schätzung des Schriftstellers  Hans Wollschläger  ("Die  bewaffneten  Wallfahrten  nach Jerusalem")   insgesamt  22 Millionen  Menschen  das  Leben kosteten. Bei der Eroberung  Jerusalems  (1099) wurden etwa 70 000 Juden und Muslime im Blutrausch umgebracht - die gesamte Einwohnerschaft der Stadt. Die noch vor Blut triefenden Ritter gingen anschließend "vor 
Freude weinend ...  hin,  um  das Grab unseres Erlösers zu verehren,  und entledigten sich ihm gegenüber ihrer Dankesschuld" -  so ein  Augenzeuge  ("Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten", dtv-Taschenbuch, 1971, S.101).
 

Ermordung von Juden
Die  ersten  Opfer  des  ersten Kreuzzuges  waren 1096 die Juden  im Rheinland, die zu  Tausenden  von  fanatisierten "Pilgern" erschlagen wurden. Ein Mönch hatte sie dazu aufgeheizt. 1298  wurden beim so genannten  "Rindfleisch-Pogrom" in Franken  4000 bis 5000 Juden  umgebracht - 700  in Nürnberg,  841  in Würzburg  usw. 1348-1350 wurden im   gesamten deutschsprachigen Raum etwa 300 jüdische Gemeinden vollständig  ausgelöscht. Die  Juden wurden  für  die  Pest  oder  andere  Ereignisse  verantwortlich gemacht. Den  Boden  bereitet  hatte  die  jahrhundertelange Verleumdung  und rechtliche  Diskriminierung  der  Juden (z.B.  Tragen  des "Judenflecks"  auf der Kleidung) auf Betreiben der Kirche.

 

Ermordung von "Heiden"
Wie die "Heiden" des Mittelmeerraumes wurden auch im Mittelalter die noch nicht christianisierten germanischen und slawischen Stämme  erbarmungslos  bekriegt  und zur Taufe gezwungen. Von den Schlächtereien  an  den Sachsen durch Karl  "den  Großen"  im 9.  Jahrhundert zieht   sich  eine  wenig  bekannte  Blutspur durch  die deutsche Geschichte bis hin  zum  Wenden-Kreuzzug  (!) 1147. Alle diese Kriege, Metzeleien und gezielten  Verwüstungen ganzer Landstriche erfolgten immer  unter dem Vorwand, die "Heiden" zu bekehren. Zahlreiche Bischöfe riefen dazu auf oder beteiligten sich  selbst mit  ihren Truppen. Die Gefangenen wurden  meist  vor  die Wahl gestellt, sich  taufen zu  lassen  oder  zu  sterben. Ebenso verfuhr der Deutsche Ritterorden in Ostpreußen. Erhellendes zu diesem verdrängten Thema  findet  sich in der Kriminalgeschichte  des Christentums  von  Karlheinz Deschner in den Bänden 4  (S.457 ff), 5  (S.46 ff, 146 ff, 305 ff, 350 ff, 450 ff, 563 ff) und 6 (u.a. S.457 ff).

 

Eroberung Amerikas
In  den  ersten 50 Jahren nach der Entdeckung Amerikas durch die katholischen Spanier waren bereits eine Million Indianer im karibischen Raum zugrunde  gegangen - ermordet, durch Zwangsarbeit  zu Tode  geschunden oder an Infektionen gestorben. Nach 150 Jahren waren in ganz Amerika 100 Millionen Menschen gestorben - über 90 Prozent der Bevölkerung  (Südwestpresse,  2.5.92).  Der katholische Theologe Leonardo  Boff  nennt  die  Eroberung Amerikas den "größten   Völkermord  aller  Zeiten"   (Publik-Forum, 31.5.91). Die Spanier behandelten die Indianer schlimmer als Tiere und massakrierten  sie auf grausamste  Weise.  Sie  erhängten  "zur  Ehre der Apostel und  Jesu  Christi", wie sie sagten,  jeweils 13 Indianer über  einem  Feuer, so dass sie  gleichzeitig erstickten und  verbrannten. Sie trieben die Indianer in  Fallgruben mit spitzen Pfählen, verstümmelten sie oder warfen ihre Kinder  lebendig den Hunden vor.  Der Kazike Hatuay  wurde  vor  seiner  Verbrennung   gefragt, ob er sich taufen lassen wolle, um wenigstens in den Himmel zu  kommen. Er  fragte zurück,  ob denn  auch Christen  in  den  Himmel  kämen. Dies wurde bejaht. "Sogleich und ohne weiteres Bedenken erwiderte der Kazike, dort  wolle  er  nicht   hin, sondern  lieber  in  die  Hölle, damit  er nur dergleichen grausame Leute  nicht  mehr  sehen,  noch  da  sich aufhalten dürfe, wo sie zugegen wären. "(taz, 21.2.87)
 

Sklavenhandel
Die Kirche kämpfte schon in der Antike energisch für die Beibehaltung der Sklaverei. Kein Wunder: Sie hielt selbst  Sklaven, deren Freilassung verboten  wurde. Uneheliche  Kinder (z.B. die von Priestern und Findelkinder) wurden zu Kirchensklaven gemacht. Der französische Nationalheilige Martin von Tours hielt z.B. 20 000 Sklaven. (Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Bd.3, S.524)
 

Auch  als   nach  der  Entdeckung  Amerikas  bis  zum 19. Jahrhundert  13  Millionen Afrikaner versklavt und in  den neuen  Kontinent gebracht wurden,  erhob  die Kirche nicht  ihre  Stimme  dagegen. Im Gegenteil: Papst Nikolaus V. legitimierte in seiner Bulle "Divino amore communiti" vom 18. Juni 1452  die  Sklaverei, indem er den portugiesischen  König ermächtigte, die Länder der Ungläubigen "zu erobern,  ihre Bewohner zu vertreiben, zu  unterjochen und  in  ewige  Knechtschaft zu zwingen."  Auch Kolumbus hatte keine Skrupel,  da "Heiden ohnehin zu  ewiger  Verdammnis verurteilt  seien".  In  Sevilla  stand  anfangs   sogar   der Bischof  Rodriguez   de  Fonsca  selbst  als  Auftraggeber  hinter  dem Sklavenverkauf der Indianer. (Friedhelm v. Othegraven in "Litanei des Weißen Mannes",S.102) Der  Kirchenstaat schaffte als einer der letzten europäischen Staaten  erst 1838 die Sklaverei offiziell ab.
 

Hexenverfolgung
Der Leitfaden für die systematische Verfolgung und Ermordung  von  "Hexen"  war das Buch  "Der Hexenhammer",  herausgegeben  1488 von  zwei deutschen Dominikanermönchen - mit päpstlicher Druckerlaubnis. Der Vatikan sicherte  den Wahnsinn  noch  zusätzlich durch eine päpstliche Bulle ab. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts starben durch den Hexenwahn in Europa überwiegend Frauen   (Main-Echo, 12.3.99),  Deschner veranschlagt die "Opfer  des kirchlichen Hexenwahns" auf neun Millionen  (Deschner,  Abermals  krähte  der Hahn, S.347).  Viele,  darunter  auch Kinder,  starben auf dem Boden des heutigen  Deutschland.  Auch  hier verfolgten beide  Konfessionen gleichermaßen  die angeblichen Hexen, für die  es  nach  "peinlicher Befragung"  unter  schrecklichen  Folterqualen  kein Entrinnen   gab.  Erst die  Aufklärung  machte  den  Verbrechen ein Ende.
 

Massenmord in Kroatien
Noch im 20. Jahrhundert erreicht die Blutspur der Kirche einen schaurigen Höhepunkt: Im "katholischen Kroatien" werden zwischen 1941 und 1943  etwa eine Dreiviertelmillion orthodoxe Serben umgebracht, zum  Teil  zuvor noch zum katholischen Glauben zwangsbekehrt. An den Massakern beteiligten sich an maßgeblicher Stelle katholische Geistliche, vor allem Franziskaner.  Der Vatikan ist über alles unterrichtet, behandelt das blutige Regime aber mit spürbarem Wohlwollen. Die  katholische Hierarchie,   allen  voran  Militärvikar  und  Erzbischof Stepinac (1998 vom Papst seliggesprochen),  stützt  das faschistische Regime bis zuletzt moralisch ab.(Vgl. hierzu Deschner, "Ein Jahrhundert Heilsgeschichte",  Band 2,S.210 ff sowie Vladimir Dedijer, "Jasenovac -  das  jugoslawische Auschwitz und der Vatikan", 1988)
 

Völkermord in Ruanda
In Ruanda wurden binnen 100 Tagen 800 000 Menschen umgebracht. Die  Katholische Kirche, der  70 % der Ruander angehören, hätte als einzige die  Autorität  gehabt, das Blutbad zu stoppen. Doch  "die  meisten  ihrer Priester und Nonnen hatten 1994  bei dem Blutbad teilnahmslos zugesehen oder gar den Mördern  geholfen." (Spiegel 1/2000)   Am 14. April begann das  Massaker von Kibeho, zunächst an den 15 000 Flüchtlingen, die im Kirchen-Areal Schutz suchten. Es dauerte zwei Tage, bis  alle zu Tode gehackt, verstümmelt, erschlagen, erschossen  oder  zum  Teil  lebendig verbrannt   waren. Zeugen beschuldigten Priester und Nonnen der Katholischen Kirche, den Völkermord an den Tutsi unterstützt zu haben. "Zwischen  dem   7. April  und  dem   4. Juli wurden in 160 Kirchen Tutsi niedergemetzelt, die in die vermeintlich sicheren Sanktuarien geflohen waren." Heute leben die Beschuldigten "hinter Klostermauern in Belgien, leiten Ordenshäuser in Frankreich,   studieren Theologie an päpstlichen Universitäten oder predigen Nächstenliebe und Vergebung in italienischen Kirchen." Mit Bischof Misago,  so der  Spiegel  ((1/2000)   "steht gleichsam Ruandas Katholische Kirche unter Anklage." Die ruandischen Bischöfe sagten, noch nachdem  das Schlachten längst begonnen hatte, der Hutu-Regierung ihre Zusammenarbeit zu und forderten die Bevölkerung auf, deren  Anordnungen  zu  befolgen ..."  Zwei Jahre nach dem Genozid plage  eine Gruppe  ruandischer Priester das Gewissen. "Doch  die  Teilnehmer  des  Diskussionskreises wurden  strafversetzt;  den  Initiatoren drohte  der  Vatikan  gar  mit  dem Kirchenausschluss." Erst zwei Kirchenfunktionäre sind inzwischen  von  Gerichten in Ruanda verurteilt worden. "Über  diejenigen, die fliehen konnten, halten Vatikan  und Kirchenfürsten ihre schützenden Hände." Pfarrer Uwayezu  wird  von einem überlebenden Schüler beschuldigt, seine  Klasse an die Milizen verraten zu haben, die sie  allesamt  zu Tode hackte.  Der einzige  überlebende  Schüler,  der  verletzt  aus  einer  Grube entkam,  beschuldigt Bischof Misago und Uwayezu  der  Mitschuld.  Bischof  Misago selber besorgte Uwayezu ein Fluchtauto,  mit  dem  er entkam. Nun arbeitet Uwayezu unter dem Schutz  der Kirche in Italien. (alle Zitate aus Spiegel 1/2000  "Mit Weihrauch und Machete") Hintergrund:  Unter der belgischen Kolonialherrschaft hatte  die  Kirche zunächst  die  herrschenden  Tutsis unterstützt und dadurch den Gegensatz zwischen Tutsis und Hutus  mit verstärkt. Als sich zu Beginn der Unabhängigkeit  ein  Sieg  der  Hutu-Mehrheit  abzeichnete, begannen viele katholische Geistliche, diese  zu  unterstützen und deren Gewalt zu billigen.
 

Angesichts eines solchen Sündenregisters wirkt das mea culpa des  Papstes, mit dem er im Frühjahr dieses Jahres so großes Aufsehen  erregte,  eher  peinlich.  Unter  der viel versprechenden,    aber   zugleich  doppeldeutigen Überschrift "Bekenntnis  der  Schuld im  Dienste  der Wahrheit" lautet  das Schuldeingeständnis:  "In  manchen Zeiten der Geschichte  haben  die  Christen   bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen." Diese  ungeheuerliche Verharmlosung verschlägt einem den  Atem.  Was der Papst "bisweilen" nennt, dauerte bekanntlich vom 11. bis zum  18. Jahrhundert  und  führte  zur  systematischen Ausrottung von  Millionen  von  Menschen.  Dies alles wurde nicht von ungenannten Christen "zugelassen", sondern von  den  Vorgängern  des  Papstes Johannes  Paul  und  des  jetzigen  Großinquisitors  Kardinal Ratzinger angeordnet und durchgeführt - mit Hilfe v on  Zehntausenden irregeleiteter Gläubigen der Kirche, die mit Verdammnisdrohungen und Ablaßversprechungen gefügig gemacht wurden. Eine Gruppe, die sich Freie Christen für den Christus der Bergpredigt nennt, schrieb dem Papst zu diesem Thema einen offenen Brief, in dem es u.a. heißt:

Wie will die Kirche bei Gott Vergebung für ihre Blutspur erlangen und  glaubwürdig dartun, dass sich derartiges nicht wiederholt, wenn Ihr Schuldbekenntnis die Taten gar nicht eingesteht und die Verantwortung dafür anderen zuschiebt?  Von  jedem  Ihrer Gläubigen  verlangen Sie im Beichtstuhl ein ehrliches Bekenntnis unter Angabe seiner konkreten Sünden. Eine Beichte,  die  so ausfiele wie Ihr Schuldbekenntnis,  wäre  nach kirchlicher Lehre schlicht ungültig. Das Wort  "töten", das in der Kirchengeschichte lange Zeit das Wort "lieben"  ersetzte, kommt in Ihrer Beichte überhaupt nicht vor, sondern wird nur im Zusammenhang mit der Tötung ungeborenen Lebens erwähnt, einem Bereich,  der  für  Sie ungefährlich ist. Die Toten der  Kreuzzüge, die Opfer der Inquisition, die verbrannten  "Hexen"  und  die  ermordeten Katharer, Waldenser, Hussiten  und  Täufer erwähnen Sie mit keinem Wort. Da war Ihre Kirche früher schon weiter, als beispielsweise Ihr Vorgänger  Hadrian  VI.  1523  eingestand, dass "auch bei diesem Heiligen Stuhl schon seit manchen  Jahren viel   Verabscheuungswürdiges  vorgekommen" sei: Er jedenfalls hat die Verfehlungen  der Kirche nicht auf  deren "Söhne  und  Töchter"  abgeschoben. Haben Ihnen  womöglich Ihre  Kurienkardinäle ein ehrliches Bekenntnis, zu dem Sie in früheren Ansprachen ansetzten, nicht mehr erlaubt? Wo bleibt Ihr Bekenntnis zur  Versklavung  der  schwarzen Brüder und  Schwestern,  von der Sie 1985  bereits sprachen, und das  Bekenntnis  zu  den  Verbrechen  gegenüber den indianischen  Ureinwohnern,  die  Sie 1992 erwähnten? Anstatt  einzugestehen, dass  im Auftrag der Kirche von kirchlichen Missionaren unter den  Eingeborenen Blutbäder   "zur  höheren  Ehre Gottes" angerichtet wurden,  sprechen  Sie  kühl  von der "Logik der Gewalt", der  "die Christen nachgegeben hätten  -  selbstverständlich "im Dienste der Wahrheit". Bei einer ordentlichen Beichte würde man bekennen: "Wir haben Indianer  getötet,  wir  haben Schwarze  versklavt, wir  haben  die  Kolonien geplündert,  wir  haben  Ketzer und Hexen verbrannt und  insgesamt  Millionen  von Menschen  auf grausame Weise ermordet." Geradezu  gefährlich ist Ihr Ausweichen in der  Judenfrage: Sie sind "zutiefst  betrübt  über  das  Verhalten aller, die im Lauf der Geschichte"  die  Juden  "leiden ließen". In diesem Punkt scheinen Sie  die  Schuld  der Kirche vollends zu verdrängen, obwohl  sie  es  doch war, die von den  "Gottesmördern" sprach  und  auf diese Weise die Juden jahrhundertelang stigmatisierte, so dass  Adolf Hitler nach eigenem  Bekunden  nur mehr vollzog, was die Kirche geistig vorbereitet hatte. Wer garantiert den  Juden  und  anderen  der  Kirche mißliebigen Religionen, dass sie  vor  weiteren  Verfolgungen durch die  Kirche  wirklich  sicher  sind, wenn die Kirche so wenig Einsicht in ihre moralische Mitverantwortung  am  Holocaust zeigt  und statt dessen geradezu dreist von einer "heidnischen  Ideologie" spricht? Zu einer gültigen Beichte  gehört   nach   katholischer Lehre nicht nur die ehrliche Reue und der gute Vorsatz, die alten Sünden nicht erneut zu tun,  sondern auch die Wiedergutmachung. In dem von  Ihnen  herausgegebenen Katechismus der Katholischen Kirche heißt es in Ziff 1459: "Viele  Sünden  fügen dem Nächsten Schaden zu. Man muß diesen, soweit möglich, wiedergutmachen (z.B.  Gestohlenes zurückgeben, den  Ruf  dessen,  den man verleumdet hat, wiederherstellen,  für  Beleidigungen Genugtuung leisten). Allein schon die  Gerechtigkeit verlangt dies." Wann gibt  die  Kirche  ihr Diebesgut  zurück, das ihren unglaublichen Reichtum begründete: Die Vermögen der Ketzer, das Geld der "Hexen", die Schätze der beraubten Indianerstämme, die Ländereien,  die  sie sich  durch nachgewiesene  Urkundenfälschungen  erschlichen   hat?  Wann räumt  die  Kirche  ihre Schatzkammern, um einen weltweiten Entschädigungsfonds zu bilden -  für  die Nachkommen  der  von  ihr "missionierten" Schwarzen  und  Indianer,  für  die  Opfer der Judenverfolgung und auch für die Folteropfer moderner Diktatoren, die nicht  zuletzt deshalb  möglich  wurden, weil die Kirche als moralische Autorität des Abendlandes der Welt jahrhundertelang auf  grausamste Weise  vorexerziert hat, wie man  mit religiösen, rassischen  und politischen Minderheiten verfährt. Wann befreit sich die Kirche von ihren  eigenen  Lehren der Gewalttätigkeit, z.B. von einem "heiligen" Augustinus, der die Folter als "Kur  für die Seele"  pries,  von  einem "heiligen Bernhard von Clairvaux, der die Katharer  ins Feuer trieb oder von einem "heiligen" Thomas von Aquin, der die Häretiker dem staatlichen Henker empfahl?  Will sie im Ernst einen Mann wie Pius XII. heilig sprechen, der Hitlers Rußlandkrieg  befürwortete und  zum  Holocaust schwieg? Und wie seht es mit den in den Tod und die "ewige  Verdammnis" geschickten Millionen Ketzern im Jenseits aus? Nachdem sie in Ihrem "mea culpa" mit keinem Wort  erwähnt werden, bleibt  ihr geistiges Schicksal ungewiß: Wird die Kirche diese  "armen Seelen"  vom Bannfluch befreien und dafür nun ihre  kirchlichen  Peiniger verfluchen? Wenn der Papst am Ende  seines Pontifikats so  halbherzig  auf die Verbrechen  seiner  Institution reagiert, drängt  sich eine Rückblende  auf  den  Beginn  seiner Amtsperiode auf. Als er auf seiner ersten Auslandsreise, die ihn nach Lateinamerika führte,  auf  der  Insel  Haiti gelandet war und den Boden geküßt  hatte, richtete er sich auf und schwärmte von den ersten Glaubensboten, die nach der  Entdeckung  des  Kontinents  hierher gekommen seien.  Er  sprach  von der "Zeit des Heils für diesen Kontinent zu Gottes Ruhm und Ehre" und  pries die Kirche als die "erste Instanz, die  sich  für  die Gerechtigkeit einsetzte". Die Glaubensboten, die Johannes Paul  als seine Vorboten lobten,  waren  am  Ende  des  15. Jahrhunderts erschienen. Ihr Wirken  war von  dem  spanischen Dominikaner und  späteren Bischof  Bartholomae  de las Casas beschrieben worden: "Die Christen  drangen unter das Volk, schonten weder Kind noch Greis, weder Schwangere noch Entbundene, rissen ihnen  die  Leiber auf  und hieben alles in Stücke, nicht anders,  als  überfielen sie eine Herde Schafe." Johannes  Paul  würdigte das Werk der Missionare "mit Bewunderung und  Dankbarkeit" und pries ihr Verdienst, dass sie Christus  den Erlöser verkündeten und die Würde der  Eingeborenen verteidigten, für ihr unantastbares Recht eintraten, um "das Reich Gottes... bei  euren Vorfahren  präsent  zu machen" - wie  er  dem  am  Flughafen  erschienenen Empfangskomitee versicherte.  Der  Augenzeuge  des seinerzeitigen Geschehens, Las Casas,  berichtet  darüber: "Als die Indianer einige  Christen  in gerechtem und heiligem Eifer erschlugen, machten  die  Christen das Gesetz, dass  allemal  100  Indianer umgebracht werden sollten,  sooft  ein  Christ  von  ihnen  getötet wurde."  Und, so berichtet   Las  Casas  weiter:  "Sie machten auch breite Galgen, so dass die Füße fast die Erde berührten, hingen zur Verherrlichung und  Ehre des Erlösers und der 12 Apostel je 13 und 13 Indianer an jeden derselben, legten dann Holz  und  Feuer darunter und verbrannten sie  alle  lebendig."  Und  was sagt Papst Johannes Paul II. auf Haiti, wo sich all dies ereignete: "So war  die  Kirche auf  dieser  Insel  die erste Instanz, die sich für Gerechtigkeit einsetzte  und  die Rechte der Menschen..."

 

Als  die  katholischen  Missionare  Ende  des 15. Jahrhunderts auf Haiti ankamen, war die Insel von einem hoch stehenden Indianervolk besiedelt und hatte  etwa 1,1 Millionen Einwohner. Nach wenigen Jahren waren es nur noch  46.000, wenig  später  nur  noch 1000. Was sagte der Papst bei seiner Ankunftsrede in  Haiti: "Hier   wurde   unter Schwierigkeiten   und   Opfern Schönes erreicht..."

 

Wenige Flugstunden später küßte der Papst  den  Boden Mexikos. In einer seiner Reden sagt er: "Seit dem  Jahre 1492 die Verkündigung  der  Frohen  Botschaft  in  der neuen Welt begonnen hat, gelangte  der  Glaube schon  gut 20 Jahre später nach Mexiko." Wie  dies  geschah, beschreibt Karlheinz Deschner: "Die  romhörigen Katholiken erschlugen, erstachen, erwürgten, ersäuften, verbrannten - alles im Namen Gottes und der Jungfrau Maria. Sie verbrannten Könige, Häuptlinge und "Hexen", die gesamte altmexikanische Führungsschicht. Sie verbrannten ungezählte Dörfer,  Städte, unschätzbare Tempel, Götterbilder, Kunstwerke,  fast die ganze  aztekische Kultur. Der vom Papst in Mexiko an der Spitze der "großen Gestalten von Verkündern der Frohen Botschaft" gewürdigte Franziskaner  Juan  de  Zumarraga, Leiter des ersten mexikanischen Erzbistums, tat sich im Schleifen der Kultstätten besonders hervor. Bereits 1531meldete er die Vernichtung von mehr als 500  Tempeln und 20.000 Götzenbildern..."

 

Und was berichtet der Augenzeuge Las Casas über  die römisch -  katholischen Gottesboten  in  Mexiko?  "Sie achteten und schonten die Eingeborenen  weit  weniger wie ihr Vieh, sondern sie achteten sie  nicht  höher,  ja noch weit geringer als den  Kot auf  den Straßen."  Es muß zu wahren  Orgien  der  Grausamkeit  gekommen sein, bei denen Männer und Frauen  durch  Hunde  zerrissen wurden, Babys  zerstückelt, Schwangere  aufgespießt, Hände, Nasen, Lippen und Brüste abgeschnitten wurden "mit Hilfe Gottes, der heiligen Jungfrau und des Apostels  Santiago",  des spanischen Nationalheiligen, dessen angebliches Grab in  Santiago  de  Compostella, seit dem Hochmittelalter eine abendländische Großwallfahrtsstätte war. (Karlheinz Deschner) Auf einer seiner Reisen besuchte der Papst auch Brasilien und pries ganz besonders den "Apostel  und  Lehrmeister Brasiliens"  de Anchieta,  als  den  "Missionar,  der  kam, Jesus zu verkünden..." 

 
Die  blutbefleckte  Vergangenheit der brasilianischen Mission war kein  Thema  für  Carol Wojtila. Der  von ihm gepriesene  Missionar hatte  die Losung ausgegeben:  "Schwert und  Eisenrute  sind   die besten Prediger."  Der  heutige  Papst sprach  ihn  selig. Der Kreis schließt sich. Das angebliche mea culpa des Papstes ist kein ehrliches Schuldbekenntnis:
 

-Er  entschuldigt  sich  nicht  im  Namen der  Kirche,  sondern schiebt die Schuld auf die Christen, die "Söhne und Töchter".

 

-Er verharmlost die  begangenen  Verbrechen;  nach seinem eigenen Katechismus  ist  eine  Beichte  voller Ausreden und Ausflüchte eine ungültige Beichte.

 

-Er denkt gar nicht an Wiedergutmachung - gegenüber den Nachkommen  der  Indianerstämme  in  Lateinamerika, gegenüber den Opfern  des  Holocaust  und ihren Nachkommen.

 

-Er wendet sich nicht von den so genannten Heiligen ab, die zu Vorbildern der kirchlichen Verbrechen wurden - nicht von einem Augustinus, der die Folter  als  Kur  für die Seele pries, nicht von einem Thomas von Aquin, der die Häretiker dem staatlichen Henker empfahl und nicht von einem  Pius XII.,  der  Hitlers  Rußlandkrieg  befürwortete und zum Holocaust schwieg. Im Gegenteil: Er will ihn heilig sprechen.

 

-Er kümmert sich auch  nicht  um  die  Millionen  Ketzer, die seine Kirche in die ewige Verdammnis schickte; wird seine Kirche diese armen Seelen nun vom Bannfluch befreien und dafür deren kirchliche Peiniger verfluchen?

 

-Werden den heilig gesprochenen Päpsten, die schwere Blutschuld auf sich luden, ihre Heiligentitel wieder aberkannt?
 

Nichts von all dem: Die Kirche hat sich  von ihrer  Ideologie und ihrer  Tradition mit dieser  Erklärung  beileibe nicht getrennt. Sie ist eine Organisation, deren weltliche und geistliche Macht historisch auf Mord und Totschlag, auf Indoktrination und Drohung mit ewiger  Verdammnis fußt; und sie hat von all dem nicht  freiwillig  abgelassen. Die Anerkennung der Menschenrechte  erfolgte nicht durch die Kirche, sondern  gegen die Kirche.  Sie hat ihre Scheiterhaufen nicht freiwillig gelöscht. Wenn die politischen Verhältnisse  es  ihr  wieder  erlauben, wird sie ihre Intoleranz erneut gewalttätig durchsetzen, solange sie sich von ihrer alten Ideologie nicht  trennt. Sie hat  deshalb, aufgrund  ihrer  Vergangenheit  und ihres heutigen Zustands, mit Jesus von Nazareth, dem Christus Gottes, auf den sie sich berufen will, längst nichts mehr zu tun -  seit 1 1/2  Jahrtausenden  nicht mehr, als diese Kirche zur  Staatsreligion  wurde  und alles mit Feuer und Schwert verfolgte,  was  sich  ihr nicht unterwarf. Sie mag sich katholisch nennen, aber bitte nicht christlich. Wer sich in die Geschichte dieser Kirche vertieft und mit den Ausreden des angeblichen Schuldbekenntnisses  des  Papstes  konfrontiert wird, versteht einmal mehr, warum in der Johannes-Offenbarung in Bezug auf die verweltlichte Kirche  von der Hure Babylon die Rede ist, die in Reichtum  schwelgt und sich mit den finsteren Figuren der Weltgeschichte verbündet, und weshalb es in der Offenbarung heißt: "Ziehet  aus von ihr, mein Volk, auf dass ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden."

 

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