Hexenwahn im Mittelalter

 

Wer sein Leben retten wollte musste 
schnell den/die Nachbarn/in 
denunzieren und hoffen dass diese/r 
unter der Folter nicht dasselbe tat.

 

-Mann-  stellte Hexen meist unmoralisch dar

 

 

Hexenjagd und Peinigung
Die Hexenverfolgung von ca. 1450-1792 (europaweit) forderte Millionen von Opfern, von denen aber nur 200. 000 schriftlich festgehalten wurden. Der Höhepunkt des Hexenwahns lag zwischen 1625 und 1630. Während dieser 5 Jahre wurde fast 1/20 der europäischen Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Aber wie war das typische Bild von Opfer und Ankläger ? Und wie war die genaue Definition einer Hexe ? Es war nicht immer die "typische" Hexe, die diesem Wahn zum Opfer fiel. Auch gab es einen ewig wiederkehrenden Teufelskreis von Anklage und Vorwürfen, Hexenproben, Folter, Geständnis, bis hin zur Angabe von Mitschuldigen, was schließlich zu einer Wiederholung des Kreislaufs führte, aus dem es kein Entrinnen gab. Die letzte deutsche Hexenvernichtung ereignete sich 1775. Zur Eskalation führte der "Hexenhammer" von Jakob Sprenger.

 

Der "Hexenhammer"
Mit der Publikation dieses Buches wurde in Deutschland und anderen europäischen Ländern ein Wahn ausgelöst, der alle menschlichen Grenzen überschritt. Einer der Autoren dieses Buches, Heinrich Institoris, war Dominikanermönch und Professor der Theologie. Für ihn waren Hexen die schlimmste Sorte Ketzer. Der zweite Autor war Jakob Sprenger. Beide hatten die Unterstützung des Papstes Innozenz VIII, der mit seiner Hexenbulle eine Art Vorgänger des Hexenhammers verfaßt hatte. Der Hexenhammer war das erste Buch, das Bosheit, Unbarmherzigkeit, Heuchelei, schmutzige Gedanken und Aberglaube so schamlos und brutal schilderte. Es titulierte jeden zum Ketzer, der die Existenz der Hexen anzweifelte. Außerdem findet man darin tausend Gründe, warum man Hexen suchen, aufspüren und vernichten soll. Es ist die beste Rechtfertigung, die ein Hexenjäger und Mörder der Hexen in dieser Zeit gebrauchen kann. Der Hexenhammer wurde im Jahr 1487 geschrieben und 200 Jahre lang mit fast 30 Auflagen in  lateinisch, französisch und italienisch benutzt. Die beiden Autoren berufen sich auch auf antike Quellen wie den Römer Cicero, die Bibel oder den Prediger Salomo, die sie geschickt in ihr mörderisches System von „Beweisen" und Anklagen einfügen.

 

Das typische Bild von Opfer und Ankläger
Das typische Opfer, das auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, war meist  weiblich, alt und arm. Je „häßlicher" jemand war, je mehr Muttermale jemand hatte, desto größer wurde die Chance, als Hexe bezichtigt zu werden. Viele Hebammen fielen diesem Wahn zum Opfer, weil sie, laut Hexenhammer, mit Neugeborenen in Kontakt kamen und somit den Samen Satans in die Kinder pflanzen würden.
Die Ankläger ersten Grades (keine Mitschuldigen) kamen meist aus wohlhabendem Umfeld. Sie waren fast immer männlich, reich sozial integriert und ständisch gehoben. Ihnen selbst konnte man nichts anhaben, die reichen Bürger waren mittels großzügiger „Spenden" an Kirche und Richter unbelangbar. Der Grund und Boden der Armen wurde nach ihrem Tod an die Oberschicht der Region verteilt. Der damals gängige Satz: "Stets hänge man die Armen und gebe Haus und Hof an die Reichen.", zeigt, aus welchem Grund „Hexen" getötet wurden. Auch unlieb gewordene Ehefrauen und ungewollte Minderheiten sind so „beseitigt" worden. Hexen waren Frauen, die nachts in abgelegenen Waldstücken dämonische Messen abhielten und dabei den Teufel anbeteten, der ihnen meistens in Form eines Bockes, Rehs oder eines Esels erschien. Sie schlachteten und brieten kleine Kinde, um Satan zu ehren oder um diverse Zaubersprüche in die Tat umzusetzen. Man glaubte auch, daß Hexen mit Vorliebe kurz vor der Erntezeit Hagelschauer zauberten, um die Ernte der Bauern zu zerstören, außerdem verhexten sie Kühe und Rinder, jegliches Nutzvieh, verdarben Butter und Milch und stahlen ganze Wintervorräte. Man erklärte viele Verhaltensweisen von Hexen damit, daß alle Hexen gierig und neidisch auf andere waren und sich auf diese Art „rächen" wollen. Oft schnitt man aber die Definitionen so zusammen, daß sie auf möglichst viele Frauen gleichzeitig paßte.

 

Anklage und Vorwürfe
Nichts war leichter, als jemanden in der damaligen Zeit als Hexe auf den Scheiterhaufen zu bringen. Es genügte zu beteuern, man habe sie des nachts „merkwürdige Dinge" tun sehen, oder man sagte, daß eben diese Person einen Fluch über jemanden gelegt hatte. Selbst die Aussage von Kindern und sogar von Verbrechern wurden direkt zu Todesurteilen für die Betroffenen. Schnell erkannte man, daß sich dieses Handeln gut gegen Feinde oder Menschen, die eine gewisse Konkurrenz darstellten, einsetzen konnte. Dieses gegenseitige Bezichtigen forcierte das Ausbreiten des Hexenwahns wie ein Lauffeuer. Zu den schlimmsten Zeiten der Verfolgung fanden fast 2 300 000  Menschen den Tod auf dem Scheiterhaufen. Einige Richter sollen bis zu 1000 Menschen pro Jahr zum sofortigen Tode verurteilt haben. 
 

Hexenproben
Hatte man erst einmal eine „Hexe" gefangen, musste man auch beweisen,  daß sie auch wirklich eine Hexe war. Entscheidend hierfür war die so genannte Hexenprobe. Die häufigsten waren: 

 
Die Wasserprobe
Man band die zu testende Person an Händen und Füßen fest, so daß sie sich nicht mehr bewegen konnte, dann warf man sie ins Wasser . Ertrank sie, war sie zwar tot, aber man wußte nun, daß die Person keine Hexe gewesen war. Blieb sie aber oben, konnte das nicht mit rechten Dingen vorgehen. Sie war also eine Hexe und mußte sterben. Man erklärte dies folgendermaßen:
Da Jesus Christus im Jordan getauft wurde, und sich dieses Wasser mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt hat, ist es heilig. Heiliges Wasser nimmt nur „reine" Personen in sich auf . Blieb sie an der Oberfläche, war sie mit dem Teufel verbündet. 

 

2. Die Nadelprobe
Man ("Mann"!) suchte nach einem großen Muttermal und stach mit einer  „Hexennadel" hinein. Wenn Blut floß, war dies ein Zeichen der Reinheit, wenn nicht, war man (so gut wie ) tot. Die sogenannte „Hexennadel" war allerdings so präpariert, daß durch eine Metallfeder im Inneren des Schafts die Nadel in den Griff gedrückt wurde, ohne die Person zu verletzen. Quellen belegen, daß bei dieser Probe noch nicht ein einziges Muttermal geblutet haben soll. 

 

3. Die Wägeprobe
Man setzte je nach Geschlecht ein bestimmtes Gewicht voraus, das ein Mensch haben durfte. Die Testpersonen durften nach der Waage nur 5 kg weniger wiegen. Waren sie leichter als das vorgegebene Gewicht, waren sie der Hexerei schuldig und wurden verbrannt. Waren sie schwerer, hatten sie die Waage verhext und wurden ebenfalls verbrannt. Genaue Angaben über das vorbestimmte Gewicht lassen sich leider nicht genau festlegen, da es von Region zu Region variierte.  
 

Die Enthauptung vor der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen

Nicht selten wurde bei der Enthauptung da- neben geschlagen, sodass bis zu 10  Hiebe notwendig waren um die "Hexe" zu enthaupten.

 

Eine Enthauptung vor der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen galt als milde Strafe. Wer der Kirche genug Geld spendete, blieb verschont. Die Ankläger wurden vom Nachlaß der Getöteten bezahlt.

 

 

 

 


 

Geständnis und Angabe von Mitschuldigen
Es kam äußerst selten vor, daß Geständnisse freiwillig abgelegt wurden, meistens wurden sie durch die Folter erzwungen. Hatte man aber wirklich alle Vorwürfe gestanden, durfte man mit einer Strafmilderung rechnen. Im Klartext hieß dies, daß man nicht mit erleben mußte wie man verbrannt wurde, denn man wurde vor der Verbrennung stranguliert. Meist wurde auch eine große Anzahl von Mitschuldigen angegeben. Sei es weil man nicht allein auf dem Scheiterhaufen stehen wollte, während die „ Feinde" bei den Schaulustigen standen und sich die Hände rieben, oder weil man Personen die dem Bischof oder Richter zuwider waren vorgesagt bekam. Größtenteils war dieses Handeln aber eine „Chance", um diejenigen indirekt zu töten, die für das eigene Todesurteil verantwortlich waren.

 

Friedrich v. Spee
Schon früh kritisierten mutige Männer, unter ihnen der Trierer Jesuitenpater Friedrich v. Spee, die Hexenprozesse als unrechtmäßige und als grausame Justizmorde. Spee schrieb wie die meisten Kritiker seine Traktate gegen den Hexenwahn unter einem Pseudonym, um nicht seinerseits auf dem Scheiterhaufen zu enden. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahme mußte er vom Abt seines Klosters in Sicherheit gebracht werden. Doch seit Spees entschiedener Streitschrift "Cautio Criminalis"  aus dem Jahr 1631 dauerte es  noch über 
100 Jahre bis 1749 der letzte Hexenprozess durchgeführt wurde. 
 

Es ist sicher nicht notwendig sich tiefer mit dieser grausamen Zeit zu beschäftigen, um festzustellen, dass es hier um Verteilung, Geldgier, sadistische Auslebungen Geistlicher und Macht geht. Zu allen Zeiten gab es Prügler und Geprügelte, früher wie heute. Heute ist die Welt etwas zivilisierter, jedoch gibt es immer noch Teile auf der Erde, in welchen gefoltert und gepeinigt wird. Man/frau sollte sich jene Zeiten immer im Gedächtnis behalten als Abschreckung vor der eigenen Machtlust und und den Trieben Schwächere quälen zu wollen um die eigenen Person aufgewertet zu sehen.

 

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