Hexe - früher ?
Hexe - heute ?


 
 

Wer sie nicht kennte die Elemente, Ihre Kraft und Eigenschaft, Wäre kein Meister über die Geister! 

Goethe (Faust I)

 

Hexen Sabbat

FRÜHER:
Begriffsdeutung: Der Begriff Hexe stammt von dem althochdeutschen Wort "hagezussa" ab. Dies bedeutet zum Ersten ein sich auf Zäunen (insbesondere auf Grenzzäunen zum Teufel) aufhaltendes dämonisches Wesen und zum zweiten kann der Begriff als eine Wortzusammensetzung aus"hag" = Rodung, Feld, Flur und "zissa" = die Schädigende verstanden werden. Die Bezeichnung für die verschiedenen Zauberkünste einer Hexe sind aus vielen unterschiedlichen Sprachen hergeleitet. So erklärt sich der  sexuelle Umgang mit dem Teufel aus den Bedeutungen der Zahl Sechs. Diese Zahl gilt als die Zahl der geschlechtlichen Vereinigung - hergeleitet aus dem lateinischen "sex" = Geschlecht und dem ägyptischen Wort "sexen"= umarmen, begatten. Zurückgeführt auf den Begriff Hexe wurde dies durch die griechische Bedeutung für die Zahl 6 nämlich "hex". Der  Zusatz an geheimem Wissen - über das Hexen verfügt haben sollen - läßt sich von dem englischen Wort für Hexe, also "witch" ableiten. Dieses stammt vom angelsächsischen "wicce" ab, was wiederum wissen, sehen und wahrsagen bedeutet. Auch die bekannten Nachtflüge einer Hexe lassen sich sprachwissenschaftlich hinterlegen. Das lateinische Wort "strix" bedeutet nämlich nicht nur Hexe sondern gleichermaßen auch Eule. Eine Eule wurde wiederum im Mittelalter auch als Nachthexe bezeichnet, also als fliegende Hexe. Aussehen: Im Mittelalter herrschte grundsätzlich die Überzeugung, daß die äußere Erscheinung den inneren Charakter widerspiegelt und umgekehrt. Das heißt ein mickriger kleiner Kerl mußte von vornherein einen schlechten und ein großer starker Ritter einen guten Charakter haben. Ähnlich verhielt es sich also bei den Hexen. Somit waren es dann vor allem ungewöhnlich häßliche Frauen mit zerfurchtem Gesicht, einem Buckel und Warzen oder ähnlichem, hinter denen man dämonische Kräfte und Teufelsverbündete sah. Nichtsdestotrotz wurden auch besonders hübsche Frauen als Hexen angeklagt, wenn sie zum Beispiel eine andere Meinung hatten oder außergewöhnlich selbstbewußt auftraten. Man glaubte, diese hätten nicht nur magische Kräfte, sondern auch ihre verführerische Schönheit vom Teufel erhalten, um diesen begierig, lüstern und zur Teufelsbuhlschaft bereit machen zu können. Eigenschaften: Über diese Kapitel  könnte man seitenlang schreiben, wobei man es doch grundsätzlich erst einmal in zwei Bereiche gliedern sollte. Erstens die Eigenschaften der Personen, die als Hexe angeklagt wurden, und zweitens die Eigenschaften, die der angeklagten Hexe selbst nachgesagt wurden. Erstere waren bevorzugt sehr kräuterkundige Personen, denen Rezepte für bestimmte Tees und pflanzliche Salben bekannt waren. Da diese Personen außerdem auch oft revolutionäre Ideen hatten und sich trauten Mißstände in der Gesellschaft  anzuklagen, waren sie nicht nur mutig, aufbegehrend und zielstrebig, sondern vor allem sehr intelligent und selbstbewußt. Die Eigenschaften einer Hexe im Volksglauben basierten dagegen auf der christlichen Glaubensvorstellung, daß der Teufel und seine Untergebenen, wie z.B. Dämonen, Inkuben und Sukkuben, wirklich existieren. Diese verfügten über Macht in der Welt und standen in physischer Beziehung zu Menschen, mit denen sie Verträge schlossen. Somit hielt man auch Hexen im europäischen Mittelalter für zauberkundige Dienerinnen des Teufels, die nach vertraglichen Vereinbarungen bestimmte Fähigkeiten und magische Kräfte erhielten, um  Schadenszauber gegen andere Menschen durchführen zu können. Die Hexen hatten dann also angeblich vor allem die Macht, Krankheiten zu verursachten, zu heilen oder sie von einer Person auf eine andere zu übertragen. Außerdem sollten die Hexen Unwetter hervorrufen, Männer impotent und Frauen unfruchtbar werden lassen und Mißernten sowie Unfruchtbarkeit bei Tieren heraufbeschwören können. Man hielt sie für fähig, Liebe mit Hilfe spezieller Tränke wachzurufen, aber auch mit Amuletten und Zaubersprüchen zu zerstören. Sie konnten einer Person Schaden zufügen oder sogar ihren Tod bewirken, wenn sie den so genannten bösen Blick einsetzten oder Nadeln in ein Wachsmodell des Opfers stachen. Ferner glaubte man, sie könnten sich unsichtbar machen und würden auf Besen fliegen. Ihnen wurde auch nachgesagt, daß sie die Zukunft vorhersagen, unbelebte Gegenstände beleben, die Toten wieder beleben, Geister beschwören und sich und andere in Tiere verwandeln können, insbesondere in Katzen und Wölfe. Als Gegenleistung in diesem Teufelspakt, mußten die Hexen angeblich immer zu dem so genannten Hexensabbat erscheinen und außerdem würde der Teufel regelmäßig Buhlschaft verlangen. 

 

HEUTE :
Hexenvorstellungen und Hexerei in heutiger Zeit hört sich zuerst wohl ziemlich unglaubwürdig an, doch die Forschungen der Ethnologin Jeanne Favret-Saada Ende der siebziger Jahre in Westfrankreich haben ganz neue Erkenntnisse über zeitgenössische Hexenvorstellungen in Europa erbracht. Dabei zeigte eine Vielzahl neuerer volkskundlicher Monographien aus ländlichen Regionen in ganz Europa, daß Hexenvorstellungen auch in modernen Gesellschaften weiterleben. Diese heutigen Hexenvorstellungen unterscheiden sich in zwei verschiedenen Formen. Die Anzahl der Personen welche sich heute selbst noch als wirkliche Hexe bezeichnen, ist ziemlich gering. In den Vereinigten Staaten findet man besonders in den Südstaaten noch kleinere Hexengruppen. Diese leben dort für sich und relativ isoliert im Gegenteil zu den - durch ihr ständiges Aufbegehren überaus stark gefürchteten - Hexen in einigen Teilen Pennsylvanias. Doch auch in Deutschland existieren diese modernen Hexen. Sie beschreiben sich als besonders kräuterkundige Menschen, die sich ganz auf ihre Person und ihre Persönlichkeitsentwicklung konzentrieren, das heißt ihr volles Augenmerk gilt nur dem geistigen und seelischen Fortkommen der eigenen Person. Deshalb sind bei diesen Hexen auch die Willenskraft, die Energie, der Instinkt (sozusagen ein sechster Sinn) und die Liebe zu sich selbst außergewöhnlich stark ausgebildet. Ihre besondere Gabe sehen sie darin, daß sie Hexendrogen - aber nur aus natürlichen Kräutern - herstellen können mit denen sie ihren Körper dann einreiben, worauf sie diesen als Astralkörper zurücklassen und selbst umherfliegen oder in Blumen, Bäume und andere Menschen hineinschlüpfen können. Die zweite Form der heutigen Hexenvorstellungen wird gerade von diesen eben beschriebenen modernen Hexen als pseudomäßige Teufelsanbetung und Hexenkult verachtet. Dabei wird gerade dieser modernen Art der Hexerei ein wachsendes Interesse zugesprochen. Während der Wiccakult und der Okkultismus bei Erwachsenen vor allem Anklang als alternative Religion findet, ist es bei Jugendlichen bevorzugt der Reiz der Praktiken dieser so genannten Schwarzen Magie auszuprobieren. Dazu zählte auch schon das simpelste Pendeln, Tische oder Gläser rücken bis hin zu dem mit großem Aufwand und Erfahrung verbundenen Hypnotisieren. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß es zwar heute noch Hexenvorstellungen gibt und daß sich auch immer mehr Menschen dafür - gleich in welcher Art - interessieren, dennoch glaubt ein absoluter Großteil der Weltbevölkerung nicht mehr, daß es heute noch Zauberei durch Schwarze Magie gibt, welche den Menschen objektiven Schaden zufügt. Aus der Bibel wie auch aus der Überlieferung von Naturvölkern weiß man zwar, daß es durchaus gewisse Praktiken gibt, welche Menschen wirklichen Schaden zufügen können. Doch da sich solche Vorkommnisse nicht beweisen lassen, ist es nicht möglich, sie durch weltliche oder kirchliche Gerichte beurteilen zu wollen. Wissenschaftler erklären das Phänomen des Hexenglaubens mit bevorzugt psychologischen und soziologischen Thesen. Diese beziehen sich beispielsweise auf Kastrationsängste und Ohnmachtsgefühle oder auf die Unfähigkeit, soziale Konfliktsituationen offen zu lösen. Hexereibeschuldigungen treten heute zudem gehäuft in Phasen rapidem sozialen und  kulturellen Umbruchs (z.B. Kolonialismus, schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, unsicheren Politischen Umbrüchen) auf.

 

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